Führungsetagen: Frauen ja, Mamas nein

Viele Firmen werden von Männern geleitet. Ganz egal ob es sich dabei um „männerdominierte“ Branchen handelt oder nicht. Beispiel Modehandel. Hier kann das Unternehmen gut und gerne aus 90% Mitarbeiterinnen bestehen, der CEO aber ist sehr oft ein Mann. Und nicht selten besteht das Abteilungsleiter-Team auch Großteils aus Männern. Finden sich darin jedoch auch ein paar Mitglieder der Spezies „Frau“, dann schauen wir mal genauer hin. Wie viele von den Führungs-Ladies haben Kinder? Eine? Zwei? Oder vielleicht keine der Damen?

Drehen wir es um: Wie viele von den Herren, die in der Chefetage angekommen sind haben Kinder? Meine Vermutung: Es sind fast alle der Herren auch Väter.

Nun ist es müßig darüber zu diskutieren dass Mütter durch ihre Schwangerschaften und Karenzzeiten in der Karriere gebremst werden. Aber auch Jahre nachdem die Kinder da sind, scheinen Frauen schwer in der Führungsetage anzukommen.

Warum ist das so?

Ich habe dazu ein paar interessante Erfahrungen gemacht. Als Mama mit Führungsposition achtet man besonders darauf an allen Fronten präsent und verantwortungsvoll zu agieren. Schließlich will man keine üble Nachrede haben, dass man es „wegen der Kinder“ nicht bringt. Umgekehrt wissen auch die Kids wo sie drücken müssen, dass Mama ein schlechtes Gewissen hat, weil sie nicht genug für sie da ist.

Wie auch immer. Bei einem 2-tägigem Meeting mit Übernachtung auswärts war ich selbstverständlich zur Stelle während mein Abteilungsleiterkollege 3 Stunden verspätet eintraf. „Wegen der Kinder“. Er reiste auch noch am selben Tag ab (nein, sie waren nicht krank) und ersparte sich das ganze Team-Socializing. Dass sein Hotelzimmer bereits bezahlt war juckte niemanden. Seine Abwesenheit am nächsten Tag war kein Thema. Nun frage ich mich, was gewesen wäre, wenn ich (als einzige Mutter im Führungsteam) „wegen der Kinder“ mich so verhalten hätte wie er. Wäre das auch in Ordnung gewesen? Ich bin sicher, dass es dazu Kommentare gegeben hätte.

Anderes Beispiel: Wenn eine Mutter früher Schluss macht oder für Meetings um 17 Uhr nicht zur Verfügung steht, so ist das für Kollegen immer wieder Grund zu meckern. Was? Schon wieder muss sie wegen der Kinder „so früh“ gehen? Beim männlichen Pendant hingegen findet man es cool, wie ernst er seine Vater-Rolle nimmt. Er übernimmt den Kinderarzt-Besuch? Da hat seine Frau aber Glück, dass er so verantwortungsvoll ist und sie bei diesen Dingen unterstützt.

Hier läuft doch etwas falsch?!

Ich bin auch überzeugt davon, dass es viele Mütter gibt, die mehr als qualifiziert für eine Führungsaufgabe wären. Unternehmen sind aber bei der Beförderung von Mamas immer besonders vorsichtig, was mit Sicherheit damit zusammen hängt, dass von Frauen angenommen wird, sie wären „wegen der Kinder“ nicht so verfügbar, wie es für das Unternehmen angenehm ist.
Durch die Vorurteile und Erwartungshaltung (dass sie dann auch als Dank für die Posititon ihre Leistung erbringt) entsteht auf Mütter ein Druck, der bei Papas gar kein Thema ist. Diesem Druck gerecht zu werden wirkt auf viele Mütter abschreckend, weswegen sie sich oft überqualifiziert mit einem Job in der 2. Reihe zufrieden geben (müssen).
Kaum ein Mann würde das akzeptieren oder wäre bereit proaktiv auf seine Chancen zu verzichten in dem er sich erst gar nicht um die Stelle bewirbt aus Sorge nicht ständig verfügbar zu sein.

Die Lösung liegt meiner Ansicht nach nicht nur in einer Angleichung von Männern und Frauen in der Führungsetage sondern auch darin Müttern einen Job im Rahmen ihrer Fähigkeiten zu ermöglichen ohne Maßstäbe an sie zu setzen, die man Männern nicht zumuten würde. Väter sind genauso zuständig wie Mütter. Was im nördlichen Europa bereits selbstverständlich ist, muss bei uns erst ankommen.

Wenn alle sich gleich an der Elternschaft beteiligen, schafft es die gleichen Voraussetzungen für Väter und Mütter.
Wenn dann noch Unternehmen verstehen dass Männer nicht cool sind, wenn sie Vaterpflichten wahrnehmen und Frauen hingegen nervig, dann könnte Karriere endlich unter gleichen Voraussetzungen stattfinden.