What’s app Eltern-Horror

What’s app Gruppen können hilfreich sein. Vor allem wenn es um sinnvollen Info-Austausch geht. War die Seite 32 im Deutschbuch auch noch auf? Hat jemand mitbekommen wohin der Skitag geht? Mein Kind hat eine fremde Haube versehentlich eingepackt, wem gehört sie (Foto)?

Leider klappt Elternkommunikation in den wenigsten Kindergarten/Schul-/Sport oder Hortgruppen. -Das kann ich nach mehreren misslungenen Versuchen mit Sicherheit sagen. Die Beispiele reichen von Eltern, die Fotos von Blasen an den Füßen ihrer Kinder schicken um zu erklären warum der Spross heute nicht beim Sport mitmacht, bis hin zu ungefähr 25 Dankesnachrichten….“Danke“, „Vielen Dank fürs drum kümmern“, „Super, dass du das gemacht hast“, Daumen hoch, Smiley, Herzchen & Co, weil ein Elternteil ein Geschenk für die Lehrerin besorgt hat. Mehrfach Bedankungen gibts übrigens auch gut und gern wenn einmal eine sinnvolle Frage beantwortet wird.
Ist es wirklich nötig den Dank an alle Eltern der Klasse zu senden? Ist kollektiver Dank wirklich state-of-the-art? Würde es nicht reichen sich direkt bei der Person zu bedanken? Oder es einfach beim Dank einer Person gut sein lassen?
Für mich sind diese Dankes-Hymnen sogar Grund, mich nicht zu engagieren. Selbst wenn sich „nur“ 10 Eltern nach einer Tat bedanken, macht das 250 Einzelnachrichten die von Leuten der Klasse gelesen werden müssen. Sinnloser Datenversand, sinnloses Handy zur Hand nehmen…um zu sehen, dass sich eh nur jemand auch brav bedankt hat…die Person, an die diese Nachrichten adressiert sind möchte ich nicht sein.

Besonders blöd sind Diskussionen über Lehrer-Entscheidungen…Kekse dürfen am Faschingstag mitgebracht werden…plötzlich entflammt eine Erziehungs-Diskussion über Zuckergehalt. Nach gefühlten 200 Nachrichten kennt man dann endlich die Einstellungen von allen Klasseneltern, die einen eigentlich nicht interessieren.

Getoppt werden die Nerv-Nachrichten von schnöden, unpersönlichen Nikolaus und Weihnachtsgrüßen,  Bildchen vom Christkind „einmal an alle bitte sehr“. Sorry, aber Schöne Ferienwünsche mal 25, gefolgt von zahlreichen „danke euch auch“ sind gut gemeinter, aber relativ sinnloser Nachrichtenmüll .

Die Krux ist, man kann die Gruppe wohl stumm schalten, muss ihr aber dennoch folgen. Es könnte ja sein, dass sich die eine oder andere wichtige Info findet. Ob sie sich in den 35 Nachrichten versteckt, die man auf seinem Display hat, wenn man aus dem Meeting mit dem Geschäftsführer kommt, sei dahin gestellt. Irgendwann muss man sich den Verlauf trotz allem geben auch wenn man den Chat all zu oft ohne wertvolle Info wieder schließen kann.

Trotzdem frage ich mich: Ist es wirklich notwendig dauernd alle mit dem selben Senf zu beschicken? Kann man sich nicht direkt bei der Tel. Nr. des Geschenkbesorgers bedanken? Brauchen wirklich alle Eltern 200 Fotos vom Ausflug? Reicht bei Sportunfähigkeit nicht ein Einzeiler an den betreuenden Lehrer? Muss man wirklich zu jedem doofen Anlass unpersönliche Bildchen mit Glückwünschen/Grüßen versenden? Wer hat Zeit für diese Art von Kommunikation? Interessiert es die Anderen oder sind sie von der Nachrichtenflut genauso genervt, wie ich? Bin ich asozial? Bin ich zu wenig an der Community rund um meine Kinder interessiert? Keine Ahnung, aber es fühlt sich einfach erdrückend an fast täglich Endlos-Schlangen an Sinnlos-Kommunikation folgen zu sollen.

Ein Indiz dafür, dass ich nicht die Einzige bin, die diese Gruppen nerven, war die Handhabung in der Sportgruppe meiner Tochter. Nachdem der Trainer mehrfach (erfolglos) erklärt hat, die Gruppe sei nur zum Austausch relevanter Infos (keine Diskussionen und Abmeldungen), eskalierte die Situation zwischen den Eltern, die es schafften, sich an solche Regeln zu halten und jenen, die alle anderen haltlos mit Herzchen, Bildchen und Bullshit-Infos „unterhielten“. Nach einer rüden, nicht enden wollenden Diskussion schlug ein Vater vor „allen Eltern nur Leserecht vergeben und das Thema ist erledigt“.
Der Trainer änderte die Gruppeneinstellungen noch in der selben Minute.

-Und seitdem ist endlich Ruhe.