Duttblunzn‘

Darf ich vorstellen: Die „Duttblunzn“, so bezeichnete Standard Journalist Christian Schachinger in seiner Kolumne eine Mutter, die mit Kind & Wagen beim Bäcker war, die Haare zu einem Dutt gebunden hatte und offensichtlich eine „lästige“ Zeitgenossin zu sein schien (weil der Kinderwagen im Weg stand, sie etwas im Handy las und für seinen Geschmack zu lange für die Durchsicht des „Angebots“ in der Vitrine brauchte. Das Kind war „laut“ und sie habe nicht reagiert). 

Eine Bekannte teilte diesen Artikel auf FB und meinte, sie hätte gerade Bekanntschaft mit einer dieser „Duttblunzn“ gemacht. Sie echauffierte sich über Mütter, die glauben, sie wären „wichtiger“ als Andere (weil sie der Meinung wären, Mutterschaft mache sie zu etwas Besonderem). Die nicht auf die Zurufe ihres Kindes reagieren und gleichzeitig nicht flott genug bestellen. Außerdem den Kinderwagen immer im Weg. Wirklich ein Witz für alle Mitmenschen. 

Meiner Ansicht nach kann und wird diesen „ Titel“ nur jemand verwenden, der keine Alltagserfahrung mit eigenen Kindern hat. Was ich sagen will: Ich kann mich mit dieser und vielen anderen „Duttblunzn“ hervorragend identifizieren. Bestimmt hat man mir auch alles mögliche nachgesagt, als ich leicht -oder sehr genervt- das Nötigste besorgt hab. Ganz sicher waren meine Kinder auch laut und ich habe nicht reagiert. Aus den unterschiedlichsten Gründen. 

Ganz ehrlich, wenn ich auf jedes Quieken meiner Kids reagieren würde, würde ich zum Nurmi. Manchmal blende ich das Gequake einfach aus….weil ich ansonsten keinen klaren Gedanken fassen kann. Auch wenn es so etwas Banales ist, wie die Einkaufsliste am Handy zu checken oder vielleicht hat der Mann noch geschickt, welches Brot er gerne hätte….was ich mir im Fall der kritisierten „Duttblunzn“ gut vorstellen kann. 

Ach ja….und einen Dutt hatte ich vor allem mit den Klein-Kids sicher die meiste Zeit. Was sonst….es ist schließlich stressig genug zwei Kinder zum Einkaufen anzuziehen und dafür zu sorgen, dass keine Zahnpasta, Schoko- oder Rotzreste im Gesicht picken. Da bin ich froh, wenn ich es schaffe mir eine Wimperntusche raufzuklatschen…wenn die Haare dann ein Dutt sind, seis drum. 

Und der Kinderwagen….ja die Dinger sind sperrig und groß. Vor allem noch mit Geschwisterbrett dran, kommen einem die Dinger selbst vor wie monströse Trucks. Aber so ist das halt. Hat mir auch nicht getaugt damit im Weg zu stehen. 

Was ich so tragisch finde ist nicht nur, dass so ein Artikel im Standard (!) erscheint (Duttblunzn, eindeutig weiblich und meiner Ansicht nach mütterfeindlich) sondern, dass eine Frau (sie ist übrigens Ärztin) so empathielos ist und diesen Artikel gutheißt. Frauensolidarität null. Wiedereinmal. 

Hätte sie Kinder, würde sie verstehen, wie es sich anfühlt, nicht nur für sich selbst, sondern auch für kleine Menschen zuständig zu sein, die nicht immer tun, was man gerne hätte. Sie würde sich nicht von Müttern, die es wagen mit Kinderwägen Platz zu brauchen, belästigt fühlen. Hr. Schachingers und ihr Kosmos scheint nur um sich selbst zu kreisen. Sie mäkeln, weil sie ihre egozentrischen Bedürfnisse als wichtiger erachten als die eines Kindes und einer Mutter, die natürlich auch versucht, eine Situation in ihrem Sinne zu lösen. Ein paar Stressfaktoren inklusive. Bloß geht es bei den Kritikern wirklich nur um sie selbst. Edelmütig sieht anders aus und jemanden als „Duttblunzn“ zu betiteln ist wenig konstruktiv. 

Jedenfalls wünsche ich meiner Bekannten, dass sie einmal ein Monat lang auf ein oder zwei Kleinkinder aufpasst. Ego-Kosmos adé. 24 Stunden Zuständigkeit, 7 Tage die Woche…mit den üblichen Schlafunterbrechungen versteht sich. Wäre spannend, wie umsichtig sie sich verhalten würden, wenn ihre Schwelle sich belästigt zu fühlen, schon im Alleingang so niedrig ist.