Mama der Party-Schreck

Ich gebe zu…
als ich die ersten Kindergeburtstagspartys mit meiner nicht ganz 1-jährigen Tochter besuchte war ich überrascht. Gab es doch bereits für das zweijährige Geburtstagskind ein durchorganisiertes Party-Programm, perfekte Deko, Torte vom Konditor und am Ende ein Gastgeschenksackerl.

„So macht man das jetzt also“, dachte ich bei mir und versuchte es möglichst gleich zu tun. Für den ersten Geburtstag meiner Tochter gabs also auch hübsche Einladungen, aufwändige Luftballondeko, eine leckere Torte von Oma und Seifenblasen für jedes Gastkind.

Aber dann…
Spätestens ab 4 Jahren startet ein regelrechter Party Marathon. Schuld daran sind Parties, die nicht bei der Familie zu Hause, sondern bei Streichelzoos, in Museen, Indoor-Spielplätzen, Bäckereien & Co. stattfinden. Kindergeburtstagspartys sind ein völlig neuer Geschäftszweig geworden. Je nach Geldbörse der Eltern, wird die Location ausgewählt und 8-15 Partygastkinder geladen, die am Programm teilnehmen dürfen. So eine Party kann locker auf 250-400 EUR kommen, je nach Level und Exklusivität.

Kevin feiert bei Mc. Donalds, Paula im Museum
Ganz klar, dass bereits an den Locations abzulesen ist, in welchem Milieu sich Kind und Eltern bewegen. Nicht, dass Indoor-Spielplatz Parties so viel billiger wären, aber wenn man etwas auf sich hält, feiert man mindestens im Museum oder bei einem Kletterpark-Workshop. In welchem Kosmos man sich befindet, kann man auch gut und gern an der Kulinarik ablesen. Gibt’s bei den Parties zu denen Ihre Kinder geladen sind hauptsächlich Chicken Nuggets und Pommes? Gefahr im Verzug!! Gleich mal durchzählen wie viele Jaquelines und Justins da unterwegs sind.
Werden Müslis gemischt, Pizzas oder Weckerl selbst gebacken oder gibt es vielleicht sogar NICHTS zu essen?! Wunderbar! In der Gruppe befinden sich ausreichend Sophies, Tobias und Emmas. Die Chancen, dass die Freundschaftsbahnen bereits jetzt richtig auf Schiene sind stehen gut 😉 *ironieoff*

In meiner Wohnung? Keinesfalls!
Der Grund für die teure externe Party Gestaltung wurde mir damals als ahnungslose Neueinsteigerin so erklärt: „Glaub‘ mir, du willst die Party nicht zu Hause feiern. Du willst weder das Chaos noch Leute in deiner Wohnung, die du kaum kennst und mit denen du privat eigentlich nichts zu tun hast.“ -Das klingt einleuchtend.
Ich hab mich bisher trotzdem seither geweigert, Parties woanders zu feiern als zu Hause. Der Unterschied: es gibt weniger Gäste. Denn: es werden eben auch nur die engsten Freunde der Kids eingeladen.

Ich persönlich mache mitunter die externen Party-Anbieter dafür verantwortlich, dass meine Kinder permanent zu Partys eingeladen sind, von Kindern mit denen sie Kollegen, aber keine echten Freunde sind. Klar, wenn der Preis für die Party für 10 Plätze ist, möchte man diese auch füllen. Das hat den Effekt dass in manchen Monaten so viele Partyeinladungen ins Haus flattern, dass sogar die Kinder keine Lust haben, hinzugehen.

 

Geschenk-Korb Wahn
Während wir in den 80ern ein 20 Schilling Malbuch oder ein paar Süßigkeiten bekommen haben, gibt es heutzutage ganze Hochzeitslisten….ähm sorry, Geburtstagslisten bei Spielwarenhändlern. Tatsache: Kinder sammeln sich selbst ihre Geschenke in einen Korb zusammen, der dann im Geschäft geparkt wird. JEDER der eingeladen ist, darf dann hinfahren und ein Geschenk daraus kaufen. Die sich darin befindenden Geschenkvorschläge richten sich hier wiederum preislich nach dem Level der Familien. Im Schnitt kann man aber von einem Minimal-Geschenk im Wert von 10,- EUR bis hin zu 30,- EUR ausgehen. Man fühlt sich auch irgendwie verpflichtet ein ordentliches Geschenk zu besorgen, schließlich weiß man, was diese Parties kosten.

Wer Zeit und Organisationstalent hat, checkt mehrere Kids für ein Geschenk zusammen…so kann man sich eventuell auch den Weg sparen. Wenn mir eine Einladung mit einem Korb von Toys `r us ins Haus flattert versuche ich das jedenfalls out-zusourcen. Unter 1 Stunde schaff ich es nämlich nicht dorthin und retour.

Hat sich schon mal jemand überlegt, dass Kinder heutzutage mit Geschenken regelrecht überschüttet werden? Empfinden Kinder noch wirklich Freude, wenn sie quasi einen Bestellschein zu ihrem Geburtstag abgeben und diese Wünsche alle erfüllt werden? Wo führt das denn hin und welche Botschaft kommt bei den Kindern im Kopf an?!
Sind sie dann mit 15 enttäuscht, wenn die Michael Kors Tasche und der Chanel Lipgloss nicht breitwillig von allen gesponsert werden?

 

Eins für dich = eins für mich
Wenn man glaubt, sich vor dem Modethema „Gastgeschenke“ drücken zu können, klappt das höchstens bis die Kids in die Schule kommen. Aus purer Gewohnheit für ihr Kommen zur Feier „belohnt“ zu werden, stehen die Zwerge beim Verabschieden erwartungsvoll da.
Ich habe es bisher nicht übers Herz gebracht kein Säckchen mit Goodies vorzubereiten. Meine Kollegin hat das mal versucht. Reaktion ihrer Tochter: Sie möchte keine Kinder mehr einladen, wenn Mama keine Gastgeschenke parat hat. Das wäre ihr peinlich.

Schluss mit der Permanent-Bespaßung
Ok, in puncto Gastgeschenke hab ich den einfachen Weg gewählt und füge mich dem fragwürdigen Trend.
ABER: Ich rücke nicht vom Konzept der Home-Parties ab. Auch wenn das Schlachtfeld meist enorm ist und ich von Badezimmer Überschwemmung & Co ein Liedchen trällern kann.
UND: Nein, ich gebe auch bei der Home-Party nicht den Dauerkasper. Wir belegen vielleicht zusammen eine Pizza oder es gibt eine kleine Schatzsuche, aber die meiste Zeit beschäftigen sich die Kinder mit- und untereinander. Und bisher hat das auch immer gut geklappt, aber mein Anspruch an eine Geburtstagsparty ist lediglich, dass ich die Kinder wieder heil nach Hause schicken kann.