Wie geht tot sein?

Für uns Erwachsene ist das mit dem Tod schon so lange völlig klar, dass uns bei Kindern erst aufgeht, wie unverständlich es eigentlich ist, wenn plötzlich jemand tot ist. Ich meine, eigentlich ist es uns ja auch nur in der Theorie klar. Wenn es dann darum geht einen Tod zu realisieren, dann ist das schon schwieriger. Irgendwie will man die Person mit der man doch so oft telefoniert hat spontan anrufen und denkt dann daran, dass das ja nicht mehr möglich ist. Oder ich kann mich erinnern, noch lange die Stimme meines Opas gehört zu haben, obwohl er schon gestorben war. Manchmal ertappte ich mich dabei nach ihm Ausschau zu halten um dann wieder klar zu werden und mir ins Bewusstsein zu rufen, dass er ja gar nicht mehr da ist. 

Kindern den Tod zu erklären ist schwierig. Irgendwie ist das in der Kinderwelt einfach nicht präsent. Es ist zu abstrakt und „einfach weg“ zu sein,…geht das überhaupt? Nun ja. Eines Tages im Herbst war es soweit. Zum ersten Mal war ich gefordert mich mit den Kindern zu diesem Thema auseinanderzusetzen. Das glaubte ich zumindest.  

Unser Kater Gismo, schon vor der Geburt unserer Kinder ein Familienmitglied, hat überraschend das zeitliche gesegnet. Es war völlig unerwartet, er starb noch im Wartezimmer der Tierklinik in meinen Armen, wahrscheinlich wegen einer Vergiftung. Und so hatte ich die Aufgabe den Kindern mitzuteilen, dass er nicht mehr zurück kommen würde. 

Während ich tränenüberströmt die Mitteilung machte, sahen mich meine Kinder verständnislos an. Die Große zwickte ein sozial erwünschtes „ooooch, wie schade“ raus….von Trauer und Heulkrampf keine Spur. Diese Reaktion hatte ich nicht erwartet, sie war für mich viel zu kühl und für mein sonst so gefühlsbetontes Kind viel zu untypisch. Später hatte sie dann Albträume und wählte Gismo wochenlang als Lieblingsmotiv ihrer Zeichnungen. 

Meine 3-jährige meinte bei der Todesnachricht tröstend zu mir: „Ach Mama, sei nicht traurig, wenn er repariert ist, kommt er ja doch wieder“. 

„Er wird nicht wieder kommen, weil wenn man tot ist, ist man ganz kaputt und das kann nicht mehr repariert werden…“, versuchte ich jegliche Erwartungen zu zerstreuen. -Aber das klappte nicht. Sie weinte keine Träne und war sicher, dass das einfach nicht möglich wäre. Noch nach Monaten fragt sie nach ihm…und danach wann ist er denn nun endlich fertig repariert wäre. 

Manchmal ist es vielleicht auch gut so, dass Kinder die Fähigkeit haben Dinge auszublenden. -Oder besser gesagt, erst gar nicht einzublenden.  Sie überraschen uns mit ihrer wunderbar leichten Art Dinge zu sehen und irgendwie finde ich es schön, dass in ihrer Welt der Tod noch nicht existiert…das ist ein Stück heile Welt, die dann sukzessive von der Realität aufgefressen wird. Aber vielleicht brauchen sie diese Realität ja auch noch gar nicht in ihrem wundervollen Kleinkindkosmos.