Au Pair gesucht

Ein Au Pair als Unterstützung für die Kids zu nehmen, kann wunderbar sein. Wie so oft im Leben kommt es aber darauf an, ob man Glück hat oder eben nicht.
Wir haben nun bereits einige Erfahrungen sammeln können. 3 Mädchen hatten wir selbst bei uns. Einige andere Au Pairs konnten wir bei Freunden aus etwas Distanz beobachten.

Natürlich gibt es nach wie vor Agenturen, die als Vermittler tätig sind. Aber ganz ehrlich: Es ist nicht mehr zeitgemäß und echte Vorteile hat man nicht. Dafür darf man dann auch ein bisschen mehr bezahlen. Also davor würde ich eher abraten. Weder für die Familie noch für das Au Pair gibt es eine Garantie, dass die Vorstellungen und Lebenswelten zusammenpassen. Nur wenn man ein Au Pair aus einem Drittstaat möchte, macht es Sinn eine Agentur einzuschalten, da man so in den Belangen wie Sozialversicherung, Arbeitserlaubnis etc. mehr Sicherheit hat.

Innerhalb Europas reicht eigentlich eine Auswahl via Internet. Nach dem Check einiger Seiten bin ich eigentlich immer wieder bei aupairworld gestrandet. Man gibt als Familie ein, was man sich vorstellt und lädt ein paar Bilder hoch. Lebt man in einer Stadt, hat man es wesentlich einfacher jemanden zu finden, denn die wenigsten Mädchen suchen eine Stelle auf dem Land.
Mein Eindruck war: je länger der Zeitraum sein soll, für den man jemanden sucht, desto geringer die Auswahl. Viele wollen eher 3-6 Monate bleiben als gleich für 1 Jahr zuzusagen. Dann hilft es, sich auf einige KandidatInnen zu beschränken, die einem am passendsten erscheinen. Mit diesen Skype Dates zu vereinbaren macht absolut Sinn. Wenn es auch hier wieder keine Garantie gibt, dass die Mädchen beim Skypen genauso rüberkommen, wie sie es dann auch sind. Aber grundsätzlich war für mich schon mal das erste Kriterium, ob sie fähig waren, die vereinbarte Uhrzeit einzuhalten. Wenn nicht, habe ich sie sicherheitshalber von meiner Liste entfernt. -Schließlich müssten sie es auch bewerkstelligen die Kinder pünktlich abzuholen oder einfach insgesamt zuverlässig zu sein.

Beim Skype bekommt man schnell ein Gefühl dafür, ob es passen kann. Wichtig: Viele Fragen stellen. Auch persönliche Fragen: Warum dieses Land? Wie stellst du es dir vor Au Pair zu sein? Warst du schon mal Au Pair oder länger im Ausland? Denkst du nicht, dass du Heimweh bekommst? Hast du einen Freund? Hast du Geschwister? Älter oder jünger? Wie oft passt du auf Kinder auf? Sind das Verwandte oder fremde Kids? Was hast du für eine Ausbildung bzw. was hast du bisher gemacht?
All diese Dinge waren für mich wichtig um mir ein Bild davon zu machen ob ich ihnen zum einen meine Kinder anvertrauen würde und zum anderen auch damit rechnen konnte, dass sie nicht vorzeitig abbrechen,… denn das bedeutet zumeist eine organisatorische Krise im Arbeits- & Familienleben.

Wichtig: mitschreiben. Denn wenn man sich 5 oder 10 Mädchen/Burschen angesehen hat, weiß man die Pro und Contras nicht mehr zuzuordnen. Diese sind natürlich sehr individuell. Für mich war es zum Beispiel wichtig, dass sie Persönlichkeiten sind, die aktiv, unternehmungslustig und positiv gestimmt sind. Wenn jemand besonders langsam spricht oder nicht weiß, was er macht oder will, dann nervt mich das.  -Ein K.O. Kriterium in meinem Fall, da der Alltag nebeneinander dann noch schwieriger wird (als er ohnehin mit einer fast immer anwesenden, fremden Person im Haushalt ist). Weitere K.O. Kriterien: Katzenallergie (ich kann ja schlecht die Katze ausquartieren), besondere Ernährungsweisen kultureller oder ideologischer Art oder ganz simpel keine Arbeitserlaubnis in der EU. (Dann wird’s nämlich wirklich kompliziert und wesentlich teurer). Ganz großes Pro: Eine Ausbildung mit pädagogischem Hintergrund. Ist das Au Pair nämlich Lehrerin oder Kindergärtnerin, kann man die Kosten  von der Steuer absetzen.

Natürlich gibts hier in Österreich diesen „Babysitterkurs nach EstG“ oder „Babyfit-Kurs“, durch den ein Au Pair dann zertifiziert -und dadurch absetzbar- wird. Nur ist der zumeist auf Deutsch. Das ist für die meisten Au Pairs eine große Hürde. Die Dauer und Kosten der Kurse variieren je nach Institut. Jenen beim roten Kreuz (32 h) habe ich selbst schon besucht und kann ich inhaltlich sehr empfehlen. Allerdings nur, wenn das Au Pair bereits sehr gut Deutsch spricht.

Mindestmaß für Au Pairs ist ein 8 (wenn sie über 21 Jahre alt ist) oder 16 Stunden Kurs (wenn sie jünger als 21 Jahre ist).
Alternative ist ein Online Kurs, den es auch auf Englisch gibt. Wie gut die Qualität hier ist, kann ich nicht sagen. Aber ich nehme mal an, dass es sich hier eher um Basis-Info handelt, die nicht mit einem Kindernothilfe & Babyfit Kurs vergleibar ist (der für ein Au Pair aber auch abseits vom Finanzamt Sinn macht).

Kurz noch zu weiteren eventuellen organisatorischen  Hürden: Der Au Pair Vertrag.
Hier gibts in jedem Land andere Regelungen. In Österreich sind diese besonders streng, weil Au Pairs nur 19 Stunden arbeiten „dürfen“ und dafür eine Bezahlung im Ausmaß der aktuellen Geringfügigkeitsgrenze nach ASVG erhalten müssen. (Achtung: Wir reden hier von 14 Gehältern und bezahltem Urlaub!).

Den Vertrag und eine Anzeigebestätigung (vom AMS) muss man  aber nur zum Amt bringen, wenn das Au Pair nicht aus der EU kommt. Bei meinem Au Pair aus der EU hat es weder das AMS noch die Krankenkasse interessiert, welchen Vertrag ich mit den Mädchen habe. Auch nicht, wieviel das vereinbarte Honorar war.  -Dennoch: Es mach trotzdem Sinn „etwas in der Hand“ zu haben, damit für alle klar ist auf wieviele Stunden man sich einigt und wieviel bezahlt wird. Im Zweifelsfall (also wenn das Au Pair beschließt die Stelle aufzugeben), kann man es trotzdem nur bitten zu bleiben, bis man eine Alternative gefunden hat. Rechtliche Konsequenzen wird man mit dem „Vertrag“ nicht durchsetzen können. Und: es macht auch keinen Sinn einen Babysitter zu beschäftigen, der nur noch nach Hause will.

Auch ein Thema fürs Skype-Casting: Klarstellen, was als Arbeitsstunde zählt und was nicht. Beispiel: zählt es auch als Arbeitsstunde, wenn das Au Pair mit der Familie zu Abend isst und dem Kind ab und zu einen Löffel reinschiebt und danach den Tisch abräumt? Oder wenn man am Wochenende zum See fährt und dort zusammen in der Sonne liegt, das Au Pair aber natürlich auch mit den Kids ins Wasser geht? Ist das „Integration in die Familie“ oder „Arbeit“? -Auslegungssache. Daher vorher unbedingt abklären.

Zur Unterbringung: ein eigenes Zimmer ist natürlich Standard. Dieses muss größer als 10 m2 sein. Ein eigenes Bad ist zwar nicht notwendig, aber definitiv ein Vorteil für Famile & Au Pair.
Die Privatsphäre ist in dieser Zeit ohnehin eingeschränkt: Nach dem Duschen ohne Handtuch ins Zimmer? -Geht nicht.
Nähe mit dem Partner oder auch mal streiten…? -Fühlt sich auch sehr komisch an.

Dafür gibts auch eine Menge Vorteile:
Kind krank? -Kein Problem, das Au Pair ist ja da.
Selbst die Fremdsprache trainieren? -Geht mit einem Au Pair als Native Speaker wunderbar.
Am Abend mal ausgehen? -Das Au Pair chillt mit Babyphone vorm Fernseher und man kann sich ein schönes Dinner auswärts gönnen 🙂
Es ist auch toll, wenn die Kinder richtige Beziehungen zu ihren Au Pairs aufbauen, die weit über den Kontakt zu Babysittern, die man stundenweise beschäftigt, hinausgehen.

Diese Dinge sind vielleicht auch hilfreich/gut zu wissen:

Das Au Pair will Besuch von zu Hause einladen? -Wenn platztechnisch möglich, dann unbedingt zusagen. -Kann sehr motivierend wirken und man lernt gleichzeitig ihr nahestehende Leute kennen. Aber Achtung: Es kommt auch vor, dass plötzlich die ganze Sippe und nicht nur die Schwester oder Freundin da steht.
Vorher auch ganz genau vereinbaren, wie lange die Gäste bleiben können.

Das Au Pair will einen Sprachkurs besuchen? Genau gesagt ist man sogar verpflichtet, diesen zu bezahlen. Aber es muss nicht der teure Privatkurs sein. Die Wiener VHS bietet Kurse sehr preiswert an. So lernt das Au Pair auch gleich neue Leute im Land kennen.

Kontakt zu anderen Au Pairs: Super! Dann kann die Familie auch mal einen Abend alleine sein und das Au Pair kann Freundschaften knüpfen, die den Aufenthalt in der Fremde erleichtern. Zu empfehlen die FB Gruppe Au Pair Vienna.

To do liste machen: Nicht für jedes Au Pair ist klar, dass sie nach einem Nachmittag mit den Kids das Chaos zumindest „mitbeseitigen“ muss. Es ist mühsam, von der Arbeit zu kommen und ein verwüstetes Wohnzimmer vorzufinden. Auch Basics für das Au Pair ansprechen: eigenes Geschirr wegräumen, nicht Klamotten rumliegen lassen etc.  Das klingt logisch, ist es aber nicht für jeden. – Daher unbedingt ansprechen, ansonsten hat man schnell mal ein weiteres „Kind“ mitzubedienen.

Smartphone: Unseren Au Pairs haben wir immer ein solches zur Verfügung gestellt. Die Idee dahinter war selbstverständlich, dass wir sie  & die Kids erreichen konnten.
Smartphone inklusive free wlan kann aber auch bedeuten, dass das Au Pair neben den Kindern stundenlang auf Facebook oder Skype rumhängt, was furchtbar nerven kann. Die Bitte das Smartphone neben den Kids nicht dauernd zu verwenden wird von den „digital natives“ als sehr verbohrt betrachtet und kann für schlechte Stimmung sorgen.

Zeitplan aufhängen: Wann Kinder abholen, wann wohin bringen, wann sind Tage frei? Wann möchte man gerne ausgehen und bittet das Au Pair um einen Babyphone-Abend? Da man mit dem Au Pair vielleicht in einer Fremdsprache kommuniziert, kann es schnell mal zu Missverständnissen kommen. Daher ist so ein Plan durchaus hilfreich.

Benefits geben: Jeder der selbst mal im Ausland ohne Familie war, weiß: es ist eine einprägsame Zeit. Wird man gut behandelt, ist man offener und freudiger bei der Sache. Es kann toll sein mit  Au Pair & Kindern zusammen Touristenattraktionen zu besuchen. Oder mal in die Oper gehen, in die Therme, auf einen Berg. Gemeinsame Erlebnisse binden und fördern (zumeist) die Stimmung. Im Zweifelsfall einfach fragen, ob sie Freude dran hätte.

Generell ist alles ein Geben und Nehmen. Je nachdem, wie sehr man einander zu schätzen weiß, klappt es wunderbar, oder eben auch nicht. Jedes Au Pair hat bei uns die selben Konditionen vorgefunden.  Dennoch war das Feedback sehr unterschiedlich. Mit einem Mädchen waren wir so happy, dass wir sie 3 Jahre später eingeladen haben wiederzukommen und auch dieser Sommer war toll. Bei einem anderen wiederum haben wir -und ich denke sie auch- die Tage gezählt, bis es „endlich“ vorbei war.

Es ist ein Wagnis für alle Seiten. Man darf einfach nicht vergessen, dass die eigene Familie, so gut das gemeinsame Chaos auch im Alltag funktioniert, jemand anderem  ziemlich komisch vorkommen kann 🙂

Foto: carostrasnik.com